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NIEMAND BLEIBT UNBESCHADET

  • 13. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Apr.

Interview mit Regisseur Martin Leutgeb


Foto: ©


Sie sind in Stans aufgewachsen und arbeiten seit vielen Jahren an großen Häusern. Was bedeutet es für Sie, jetzt hier in der Region ein Stück zu inszenieren?

Meine Wurzeln in der darstellenden Kunst liegen in Stans. Mein Onkel schenkte mir in jungen Jahren ein Kasperletheater – genau das Richtige für mich. Dass mich Gottesdienste und Beerdigungen völlig faszinierten, ließ in mir zunächst den Wunsch wachsen, Pfarrer oder Leichenbestatter zu werden.

Über meinen Vater, der selbst im Amateurtheater spielte, habe ich aber schnell begriffen, dass es auch noch eine andere Möglichkeit gibt, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und dabei das Publikum zum Lachen oder Weinen zu bringen. Aus dem Amateurtheater kommend, habe ich nun seit gut 40 Jahren als Profi die Liebe zu diesen ambitionierten Spieler:innen nie verloren, sondern arbeite liebend gerne mit ihnen – so auch in Stumm mit diesem wunderbaren Ensemble.


Ich mach’s!“ Wann war das für Sie klar?

Auf der Suche nach einer witzigen und zugleich geistreichen Geschichte bin ich auf den „Revisor“ gestoßen. Der Plot hat mich sofort überzeugt, geht es darin doch um Macht und Betrug. In unserer Fassung versuchen wir, die einzelnen Figuren etwas zu überzeichnen, sodass dem Zuschauer ein leicht überhöhter Spiegel vorgehalten wird.

So besteht die Möglichkeit, sich selbst oder Bekannte darin zu erkennen – muss man aber nicht zwingend, wenn man das lieber vermeiden möchte.


Warum gerade Gogols „Revisor“?

Auf der Suche nach einer witzigen und zugleich geistreichen Geschichte über Verwechslung und Betrug bin ich auf den „Revisor“ gestoßen. Der Plot hat mich sofort überzeugt.In unserer Fassung geht es um Geld, Betrug, Verstellung und die Frage, was Macht möglich macht. Die Figuren sind bewusst überzeichnet – der Spiegel wird der Gesellschaft vorgehalten, aber so, dass man sich nicht sofort selbst erkennt. Oder vielleicht nicht erkennen möchte.


Was daran ist heute noch aktuell?

Gute Autor:innen schreiben für die Ewigkeit. Die Themen, die Gogol behandelt, waren schon 1836 relevant und sind es heute noch. Menschen, die nach Macht streben, wird es immer geben – und auch die Mittel, diese Macht zu sichern, bleiben oft dieselben.


Was reizt Sie an der Arbeit mit Laienschauspieler:innen?

Wer sich entscheidet, über Wochen hinweg Theater zu spielen, tut das aus echter Leidenschaft. Viele investieren ihre Freizeit oder sogar ihren Urlaub.Für mich ist es besonders schön zu sehen, wie ein Ensemble zusammenwächst, Vertrauen entwickelt und sich führen lässt. Daraus entsteht eine besondere Energie, die man auf der Bühne spürt.


Wo liegt für Sie der Humor in „Die Revision“?

Ganz klar in der Überzeichnung der Charaktere.Die Figuren sind laut, poltrig, manchmal zart und leise – und genau daraus entsteht ein lebendiger Theaterabend. Das Publikum soll lachen können, aber auch Momente erleben, in denen das Lachen kurz hängen bleibt.


Wer ist in Ihrer Inszenierung der Ehrlichste?

Niemand bleibt unbeschadet. Jede Figur hat ihre Schwächen.Am ehrlichsten ist am Ende wohl der Zuschauer, der das Geschehen von außen betrachtet – und entscheiden darf, was er davon hält.


Was soll das Publikum mitnehmen?

Vor allem gute Laune und die Erinnerung an einen besonderen Abend. Und vielleicht den Wunsch, wiederzukommen – gemeinsam mit Freunden, um das Theater noch einmal neu zu erleben.

 
 
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