INTERVIEW – FLORIAN SCHEUBA
- 6. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Warum Lachen manchmal Notwehr ist

Foto: © Maria Kanizaj
Dein neues Programm trägt den Titel „Schönen Guten Abend“. Ein freundlicher Titel für eine Zeit, in der gefühlt alles aus den Fugen gerät. Ist das Ironie oder Optimismus?
„Schönen guten Abend“ bezieht sich auf die Abendstimmung im Abendland. Aber am Schluss des Programms erfährt dieser Gruß noch eine überraschende, sehr positive und schöne Neuinterpretation.
In deinem Programm sprichst du von einer „Bachwatch-Mission“ und hältst Ausschau nach Rettungsschwimmern für Demokratie, Umwelt und Gesellschaft. Woher nimmst du in all den Widersprüchen eigentlich noch deinen Humor?
Humor ist ein Zugang zur Welt, der manchmal dabei hilft, des Kaisers neue Kleider als Nacktheit zu erkennen. Für mich ist Humor ein Überlebensmittel.
Du hast einmal gesagt, Lachen sei die beste Form der Notwehr. Kann Kabarett heute tatsächlich noch etwas verändern – oder hilft es zumindest dabei, die Welt besser auszuhalten?
Über Ungeheuerlichkeiten und besorgniserregende Entwicklungen gemeinsam lachen zu können, hilft dabei, mit ihnen umzugehen.
In seltenen Fällen kann Kabarett tatsächlich etwas verändern – wie etwa die „Wir Staatskünstler“-Lesung der Grasser-Abhörprotokolle oder meine Kolumne über den Polizeidatenskandal rund um Egisto Ott, die betroffene Polizisten aktiv werden ließ.
Grundsätzlich kann Kabarett aber dazu beitragen, dass vieles, was sonst „unter den Tisch“ fällt, in der öffentlichen Wahrnehmung präsent bleibt. Und dabei unterhalten.
Du beschäftigst dich seit Jahrzehnten mit Politik, Macht und gesellschaftlichen Entwicklungen. Gibt es Momente, in denen dich die Realität inzwischen schneller einholt als jede Pointe?
Donald Trumps täglicher Wahnsinns-Ausstoß ist nur mehr in MpM – Madness per Minute messbar. Da kommt auch der Satiriker kaum mehr nach.
Du bist Kabarettist, Autor, Schauspieler, Kolumnist und Podcaster. Wenn du einmal nicht arbeitest: Wobei vergisst Florian Scheuba den politischen Alltag und findet wirklich Ruhe?
Bei Musik, Literatur, gutem Essen mit guten Freunden und einem guten Glas Wein. Denn das kann man nur in Ruhe genießen.
Du stehst seit vielen Jahren auf den unterschiedlichsten Bühnen Österreichs. Was macht kleinere Spielstätten wie den Dorfbäckstadl für dich besonders?
Kleinere Kulturinitiativen werden derzeit in ganz Österreich kaputtgespart und ihre Relevanz für die regionale Lebensqualität wird von der Politik ignoriert. Da muss man zumindest versuchen, dagegenzuhalten.
Für ein Publikum in kleineren Spielstätten zu spielen, ist deshalb immer etwas Besonderes und ein schöner Auftritt.
Was wünschst du dir, dass die Besucherinnen und Besucher nach „Schönen Guten Abend“ mit nach Hause nehmen? Nur einen Muskelkater vom Lachen? Oder vielleicht auch den einen oder anderen Gedanken, der noch ein bisschen nachwirkt?
Erfreulicherweise habe ich bislang sehr viele schöne Rückmeldungen bekommen, die darauf schließen lassen, dass neben dem Lachen auch viele Gedanken nachgewirkt haben. Es würde mich freuen, wenn es in Stumm wieder so ist!


