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INTERVIEW – MALARINA

  • 25. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

„Kunst sollte neue Perspektiven eröffnen“


Foto: © Christopher Glanzl


Dein aktuelles Programm heißt „Trophäenraub“. Wer raubt hier eigentlich wem die Trophäe?

In Wahrheit rauben wir sie uns als Gesellschaft gegenseitig.

Das Programm besteht aus zwei Teilen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. In der ersten Hälfte spiele ich mit der vierten Wand und erzähle, warum ich pleite bin und weshalb ich nur noch einen Ausweg sehe: reich heiraten – und später reich erben. Das Problem ist nur, dass meine Figur kein glückliches Händchen hat und sich ausgerechnet jene Reichen aussucht, die selbst pleitegehen oder ihr Vermögen verschenken.


In der zweiten Hälfte wird daraus eine Art Geschichtsstunde als Stand-up-Kabarett. Ich gehe der Frage nach, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass ich heute auf diese Strategie angewiesen bin – und lande schließlich bei der Entstehung des Patriarchats.


In „Trophäenraub“ schlüpfst du in die Rolle einer Frau, die das Patriarchat nicht bekämpfen, sondern strategisch nutzen will. Was hat dich an dieser Figur gereizt?

Das Gleiche, was mich schon an der rechts wählenden Migrantin in meinem ersten Programm „Serben sterben langsam“ gereizt hat: der Widerspruch, das Ärgernis, die persönliche Betroffenheit und gleichzeitig die gesellschaftliche Relevanz.


Du beschäftigst dich auf der Bühne oft mit Herkunft, Identität und gesellschaftlichen Zuschreibungen. Warum eignen sich gerade diese Themen so gut für Kabarett?

Weil sie einen großen Teil der Gesellschaft betreffen. In Wahrheit handeln Programme über Herkunft oft nicht nur von Rassismus, sondern mindestens genauso sehr von Klassismus. Klassismus ist es nämlich, der Xenophobie oft erst selektiv macht. Und von Klassismus können nicht nur migrantische Menschen betroffen sein, sondern potenziell wir alle.


Du bist in Tirol aufgewachsen und lebst heute in Wien. Was hast du den Tirolern voraus – und was vermisst du manchmal an ihnen?

„Voraus“ bin ich den wenigsten – vielleicht sogar hinterher. Ich beschäftige mich gern mit dem, was in der Vergangenheit passiert ist. Und wenn man sich die Geschichte Tirols ansieht, begegnet man einem widerstandsfähigen Volk, das von harter Arbeit geprägt wurde. Das bewundere ich ehrlich gesagt. Was ich manchmal vermisse, ist eine gewisse Weichheit. Tirolerinnen und Tiroler können sehr hart sein – vor allem zu sich selbst.


Viele Menschen erleben dich auf der Bühne als scharfzüngig, analytisch und pointiert. Wie würdest du dich selbst beschreiben, wenn gerade kein Mikrofon in der Nähe ist?

Die meisten finden mich privat sogar lustiger. Weil ich privat auch einfach oft deppert bin. Auf der Bühne versuche ich, die Zeit, die mir das Publikum schenkt, mit Gedanken und Inhalten zu füllen, die ich für wichtig halte. Diesen Anspruch habe ich privat nicht immer. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch.


Was darf gutes Kabarett für dich heute sein? Reine Unterhaltung, gesellschaftlicher Spiegel oder vielleicht sogar eine Form von Widerstand?

Für mich sollte Kunst neue Perspektiven eröffnen und nicht bloß die Mehrheitsgesellschaft abbilden. Das macht die Politik ohnehin schon.


Bonusfrage: Du hast einmal gesagt, du möchtest zur Völkerverständigung zwischen „Schwabos, Tschuschen und Elite Tschuschen“ beitragen. Wie läuft dieses Projekt derzeit?

Das ist ein Langzeitprojekt. Es wird Rückschläge geben und es wird Erfolge geben. Aber jeden Abend, an dem Menschen unterschiedlichster Herkunft und Gesellschaftsschichten gemeinsam in meinem Publikum sitzen, sehe ich als kleinen Teilerfolg.

 
 
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